30. Juli Bad Staffelstein
Hallo liebes Tagebuch,
schlank bist du geblieben dieses Jahr. Leider. Aber nun wirst du erstmal ordentlich gefüllt denn ich muss eine Menge Frust ablassen nach dem das Wochenende in Bad Staffelstein nun vergangen ist.
Angefangen hat alles mit der Hinfahrt in der Nacht von Freitag auf Sonntag. Nein, das ist nicht ganz wahr. Eigentlich fängt alles schon an bevor ich losfahre und zwar mit dem ADAC. Der kommt nämlich vorbei um mir beim auswechseln meiner kaputten Batterie zu helfen, denn unser toller Bus springt nicht mehr an und passendes Werkzeug ist nirgends in Sicht. Gut das es ein altes THW-Katastrophenschutzfahrzeug ist, denn das hatte zwei Batterien drin. Also wird die eine ausgetauscht und es kann losgehen. Endlich.
Natürlich ist dank der tollen ADAC-Aktion einiges an Zeit verloren gegangen, doch ich bin ja schon früh unterwegs und so hab ich noch genügend Puffer für die Fahrt.
Auf geht es nach Bad Staffelstein, bzw. nach Karlsruhe, denn dort ist ja das MPS und wir denken uns das eine kleine Hochzeitsfeierlichkeit am Tag vorher bestimmt Spaß machen würde. Also nach Karlsruhe.
Mein Bus ist nicht der schnellste und so tuckern wir gemütlich über die Autobahn… Sagte ich gemütlich? Nein eher weniger, denn liegen gebliebene Wohnwagen motivieren LKW-Fahrer zu tollen Spontanaktionen die richtig viel Spaß machen wenn man mit einem dicken Ford Transit unterwegs ist.
Kurz vor Karlsruhe (keine Stunde mehr an Fahrt) fängt unser kleiner Bus dann gefährlich an zu wackeln und zu schlingern. Außerdem riecht es so komisch… Eine Fahrt an den Straßenrand klärt alles: Reifen geplatzt. Na super!
An einen Erstazreifen unter dem Wagen kann ich mich noch erinnern, nur wo das verdammte Werkzeug ist… hatte ich überhaupt welches gesehen… mh… Also rufen wir doch den ADAC an und warten. Und warten… und warten… naja.
Nebenbei verfluche ich mich immer wieder denn nur zwei Kilometer weiter wäre ein Rasthof mit goldenem M gewesen, welches verführerisch herüber leuchtet und mich lockt… Ob ich einen schnellen Spatziergang über die Autobahn machen sollte bis der ADAC da ist… Aber was wenn er dann plötzlich doch kommt?
Ich greife der Geschichte vor: Ich hätte locker zwei Stunden Zeit gehabt um mir einen kleinen Ausflug bis zum M zu gönnen. Während meine feinen Kollegen es sich in Karlsruhe bei Met und Bier gut gehen lassen friere ich mir den Arsch auf der Autobahn ab. Was für ein riesen Vergnügen.
Aber es wird noch schlimmer. Denn als der „gelbe Engel“ endlich da ist findet er natürlich innerhalb von wenigen Handgriffen das Werkzeug versteckt hinter einer saudummen Abdeckung. Wie erwähnt ist es ja ein THW-Fahrzeug…
Ich möchte schon vor Scham im Boden versinken da kommt auch schon das nächste Problem. Das Ersatzrad lässt sich nicht mehr lösen. Nach dem ein oder anderen harten Winter und der ein oder anderen Überschwemmung die das Auto wohl hat mitmachen dürfen, ist der Mechanismus zum lösen des Ersatzrades komplett im Arsch. Rost und Stahl sind sich einig geworden und haben sich schön ineinander verschmolzen.
Mit gemeinsamen Kräften, roher Gewalt und wirklich großen Vorschlaghämmern gehen wir nun gemeinsam zu Werke und lösen das Ersatzrad aus seiner Halterung heraus. Das macht so viel Spaß das wir uns damit eine genüssliche weitere Stunde lang aufhalten.
Als das Rad nun endlich frei ist traue ich meinen Augen kaum. Das THW hat wohl die 21 Jahre die dieser Bus nun alt ist, wohl kein Ersatzrad gebraucht. Genau so sieht es nämlich aus. Fast schon will ich lieber den platten Reifen weiter fahren als dieses Ding dran zu machen, aber der „gelbe Engel“ versichert mir, dass es bestimmt noch hundert Kilometer halten wird… Zu dumm nur das es bis Bad Staffelstein noch glatte 300 sind.
Der Rest der Fahrt gerät nun zur Zitterpartie. Mit 80 tucker ich noch die letzten Kilometer bis nach Karlsruhe und aus den geplanten 23 Uhr werden es schließlich 3 Uhr Nachts. Die restlichen Damen sind schon wieder alle eingetroffen und ich falle mit einem Feierabendbier todmüde ins Bett.
Aber nicht lange. Denn um sechse geht schon wieder der Wecker. Da mein Ersatzrad noch bis Bad Staffelstein halten muss, der Bus extrem schwer beladen ist und ich dem Reifen wirklich nicht mehr als 90 Km/h zutraue stehe ich also alleine wesentlich früher auf und fahre Richtung Bad Staffelstein.
Nach drei Stunden Schlaf und dieser furchtbaren Nacht davor wird das eine ganz besondere Fahrt bei der ich bei jeder Bodenwelle vor Angst zusammen zucke und hoffe das es gut gehen wird.
Nach vier Stunden (eigentlich wären es nur zwei gewesen aber aus bekannten Gründen…) fuhr ich also in Bad Staffelstein vor. Mit Harry (dem Stadtrat von Bad Staffelstein) gelange ich zur Bühne und unser Equipment darauf, bevor es zum Reifenhändler geht wo ich mir zwei neue Räder gönne.
Schließlich kam auch der Rest der Band an und die Bühne wird aufgerödelt. Fiese Regenfälle und ein furchtbar improvisiertes Dach für unser Mischpult machen die Arbeit richtig schwer und Jasmin, die heute wieder hinter dem Mischpult steht hat alle Hände voll zu tun das Wasser von unserer Technik fern zu halten, aber es funktioniert schließlich doch noch alles.
Harry, Heike und Markus, die Organisatoren des Stadtfestes, sorgen sich vorbildlich um uns und wir werden mit allen wichtigen Sachen (Bier und Essen) versorgt bevor es schließlich in den Gasthof geht. Dort gönne ich mir mal eine halbe Stunde Schlaf bevor es schließlich unter die Dusche und nachfolgend wieder auf den Platz geht. Okusa und ich genießen eine große Portion Spanferkel mit extra viel Kruste bevor wir uns an unsere Instrumente begeben.
Der gute Okusa ist mittlerweile schon voll drin im Bandgeschehen und es wird ein wahnsinnig genialer Auftakt. Trotz Nieselregen und wenig Platz feiern die Leute wie ausgelassen mit uns. Es ist eine unbeschreiblich gute Stimmung vor der Bühne und wir rocken wie die Sau.
Nachdem wir schließlich unseren ersten Auftritt maßlos Überzogen haben geht es zum zweiten und schließlich zum dritten auf die Bühne. Was haben wir uns darauf gefreut, endlich wieder vollverstärkt mit all den geilen Songs die wir aufzubieten haben zu spielen und dann auch noch einen prall gefüllten Marktplatz bis auf die andere Seite und nur feierwütige Bad Staffelsteiner.
Egal wie beschwerlich und unglücklich die Fahrt hierhin verlaufen ist, dieser Moment entschädigt für Alles und als wir schließlich nach der dritten Zugabe die Bühne räumen ist klar das wir Bad Staffelstein für Ewigkeiten in guter Erinnerung behalten werden.
Nun folgt ein entspannter Abbau der Bühne und schließlich suchen wir noch eine wunderbare kleine Kneipe in der Stadt auf. Das Absurd ist noch gut gefüllt und wir sind in Feierlaune. Zwischendurch versuche ich Okusa noch im Kicker zu schlagen, doch eine Reihe von Eigentoren vereitelt meinen Triumph über unseren Trommler. Schließlich werden wir dann doch als letzte Gruppe irgendwann gebeten die Räumlichkeiten zu verlassen.
Am nächsten Tag bereut der ein oder andere vielleicht den furchtbaren Schädel der nach unzähligen Bieren und Runden Schnaps und Likör auf einen beim aufwachen wartet, doch es ist einfach so unbeschreiblich toll gewesen in Bad Staffelstein, dass sowas einfach mal nötig war.
An diesem Abend ist eine große Last von den Schultern der Band gefallen und das liegt vor allen Dingen an den vielen Menschen die mit uns gefeiert haben und zu uns gehalten haben trotz der extrem schweren Zeit die wir hinter uns gebracht haben. Vielen Dank an alle die an uns geglaubt haben und uns treu geblieben sind.
Aber vor allen Dingen vielen Dank an die unzähligen Bad Staffelsteiner und alle die zufälligerweise noch so vor unserer Bühne gelandet sind und mitgefeiert haben und diese Nacht zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.
Es war toll und wir kommen gerne wieder,
euer Arach

